"Für mich ist die Zeit ohne Fußball stressig"

Ein Trainingslager bietet auch immer die Möglichkeit für Gespräche abseits des Platzes. Wir haben die Chance genutzt und uns einmal ausführlich mit Trainer Stefan Krämer unterhalten. Woher kommt seine Leidenschaft für Fußball? Was für ein Trainertyp ist er? Und was bewegt ihn abseits des Platzes?

Zu sagen, Fußball und Stefan Krämer, das ist einfach von Anfang an Schicksal gewesen, das trifft es wohl ganz gut. "Ich hatte einfach keine andere Wahl. In meiner Siedlung haben alle Fußball gespielt. Wenn du da nicht alleine zu Hause sitzen wolltest, hast du eben mitgemacht", sagt er und lacht. Und Fußball spielen, das bedeutete damals noch: von morgens bis abends, stundenlang - ohne Smartphone, Tablet und Computer waren Kinder viel mehr draußen als heute, viel aktiver. "Es haben damals alle zusammengespielt, von vier bis 14 Jahren. Als Kleinster musste ich erst einmal ins Tor, das hat mich aber überhaupt nicht gepasst." Also macht er das, was er auch heute als Trainer täglich tut: Lösungen finden. "Ich habe mir dann schnell jemanden gesucht, der noch jünger war als ich. Oder mich einfach so blöd angestellt, dass sie mich lieber haben im Feld spielen lassen", sagt Krämer mit einem Augenzwinkern. 

Dieser Weg führt Krämer hoch bis in die damalige Regionalliga, die heutige 3. Liga. "Allerdings muss ich sagen, dass ich wohl nie ein riesiges Talent war - aber das habe ich mit Begeisterung, Fleiß und jeder Menge Ehrgeiz wieder wettgemacht." Und Fußball finanziert sein Sport-Studium, das er nach seiner Zeit bei der Bundeswehr beginnt und erfolgreich abschließt. "So mit Mitte zwanzig kam dann immer stärker der Wunsch in mir auf, später selbst einmal Trainer zu werden. Oft habe ich mich nach den Einheiten gefragt: Was hättest du anders gemacht? Was kannst du davon mitnehmen? Wie würdest du das angehen?". 

Die Chance, als Trainer zu arbeiten, bekommt er ganz unverhofft. Er ist Kapitän beim SV Roßbach/Verscheid als der damalige Coach entlassen wird. Eigentlich nur übergangsweise bietet der Präsident ihm an, die nächsten drei Spiele zu leiten. Nach drei Siegen in Folge darf Krämer in seiner neuen Position bleiben. "Natürlich war der Sprung nicht leicht, aber die Mannschaft hat es mir einfach gemacht und mich in der neuen Rolle akzeptiert, das hat sehr geholfen." 

Seit diesem Tag vor inzwischen fast 17 Jahren hat der 51-Jährige seinen Traumjob gefunden. Wichtig ist ihm dabei vor allem, authentisch zu sein. "Du kannst nur so ein Trainer sein, wie du auch als Mensch bist - und du solltest nicht schauspielern". Von Anfang an prägt ihn seine Mannschaftsführung, die sich bis heute kaum verändert hat. Krämer geht es um Respekt, Miteinander, darum, den Spielern Raum zu geben und Platz zur Entwicklung. "Wer Leistung haben will, muss Sinn bieten", sagt er. 

Viele Umbrüche hingegen gibt es nach wie vor immer wieder im Fußball, die Art zu spielen ändert sich, Systeme werden umgestellt oder wiederentdeckt. "Ich denke, es ist wichtig, als Trainer auch über den Tellerrand zu schauen, klare Ideen zu entwickeln und auch zu wissen, wie man sie umsetzt." Dafür schaut Krämer beispielsweise fast jedes Champions League-Spiel, denn "dort werden oft Trends gesetzt." Aber auch mit anderen Kollegen ist er regelmäßig im Austausch. Trotzdem werden die Entwicklungsschritte im Fußball kleiner, sagt er, die Zeiten, in denen man mit einem neuen System noch Quantensprünge machen kann, sind vorbei. 

Krämer ist davon fasziniert, wie einfach und komplex zugleich Fußball sein kann. "Es ist eigentlich ein einfaches Spiel, jeder kann mitreden. Aber man kann sich auch richtig in der Theorie vertiefen." Bis zu acht Stunden täglich brütet er manchmal über einer neuen Idee, analysiert Videos oder nutzt die Taktiktafel. Nicht alles davon gibt er weiter. "Wichtig ist, die Infos zu finden, die für die Spieler nützlich sind und ihnen auf dem Platz helfen." Während er in Interviews mit der Presse das Thema Taktik oft eher oberflächlich abhandelt, genießt er die Momente, in denen er mit geschulten Taktikern fachsimpeln kann. "Aber auch da gibt es Grenzen für mich, irgendwann kommt der Moment, wo es unnötig kompliziert wird." Immer wieder bezieht er in seine Gedanken auch Spieler ein, tauscht sich mit ihnen aus und ist dabei keinesfalls unbelehrbar. "Wenn jemand ein gutes Argument hat, dann lasse ich mich auch gerne überzeugen." 

Mit seinen 51 Jahren hat der gebürtige Mainzer als Trainer noch viele Jahre vor sich - doch wie die aussehen werden, weiß er noch nicht. "Ich habe keinen Karriereplan im Kopf. Mein Lebensentwurf geht von Samstag bis Samstag und ich bin einfach froh, das machen zu können, was ich liebe." Wie sehr Fußball sein Leben bestimmt, zeigt die Frage danach, was ihn eigentlich sonst noch interessieren würde. Gab es im Leben von Stefan Krämer mal einen Plan B, einen anderen Berufswunsch? "Den hat es nie gegeben. Sicher, auch ohne Fußball würde ich einen Job finden. Aber garantiert keinen, der mich so begeistern würde und für den ich so viel Leidenschaft hätte." 

80 bis 90 Prozent seiner wachen Zeit verbringt Krämer mit Fußball, schätzt er. "Für mich ist eher die Zeit ohne Fußball stressig." Und trotzdem gibt es die Momente, in denen Krämer sich über mehr Zeit nicht beschweren würde: für Reisen, Wanderungen, Bücher, Skitouren. "Vor allem die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester habe ich genutzt und viele Freunde getroffen. Die haben alle mit Fußball nichts zu tun und mir ist es wichtig, diese Kontakte zu pflegen." Gleich danach aber ging es wieder nur um das eine Thema, das seit seiner Kindheit sein Leben bestimmt: Fußball.

Veröffentlicht: 09.01.2019

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